"Schneider-Objekte" in Leipzig Jürgen Schneiders Bekenntnisse
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Leipziger Volkszeitung vom 24. März 2000
Groteske Show eines berühmten Halunken - Schneider las im Hauptbahnhof Der mögliche Fluchtweg war nicht weit - Jürgen Schneider trennten nur Meter von den rettenden Zügen. Doch ein überstürzter Aufbruch war nicht nötig: Dem einstigen Immobilien-Hai schlug im Hauptbahnhof soviel Sympathie entgegen, dass seine Lesung in der Osthalle zum Triumph wurde. Rund tausend Zuhörer umflorten die Bühne wie das Resthaar die Schneidersche Glatze. Gab's zu Beginn verhaltenen Beifall, beendete ein verbaler Schmusekurs den gestrigen Abend. Nicht übel für einen Betrüger. Zunächst las der haselnussbraun-gebrannte Anwärter auf Kult-Status aus seiner Biographie "Bekenntnisse eines Baulöwen". In blumigen Formulierungen verbindet er darin Eingeständnis von Schuld mit Koketterie und vertauscht Gaunerei mit Selbstlosigkeit. Denn eigentlich hat Doc Schneider doch alles nur für die geliebten Häuser getan - da musste auch Ex-Stadtbaurat Niels Gormsen schmunzeln. Köstlich groteske Show eines netten Onkels, nur kurz gestört durch eine Frau, die den Star als "Dreckvieh" bezeichnete. Kurz darauf stand sie im Schatten eines breiten Bodyguard-Kreuzes. Die übrigen Anwesenden dankten dem 65-Jährigen weniger für seine prima Darbietung als Geläuterter, sondern eher seiner Leistung als Retter von immobilen Kostbarkeiten. Ein Besucher wünschte sich, der Hesse wäre geblieben, "dann hätten wir jetzt einen schönen Augustusplatz". Starker Applaus. Eine Stadtführerin verneigte sich vor der Aufbau-Leistung, und eine ältere Dame präsentierte Schneider das Foto eines Hauses, dessen Sanierung er nicht vollenden konnte. Dank per Umarmung. Einem anwesenden Handwerker, den Schneiders Betrug zeitweilig an den Existenzrand gedrängt hatte, spendete der Halunke ("Das tut mir ganz bitter leid") Trost: Die Einnahmen seines neuen Buchs "Alle meine Häuser" gehen an geschädigte Handwerker. Zum Schluss standen die Fans Schlange für ein Autogramm. An Flucht verschwendete Schneider längst keinen Gedanken mehr. Leipziger sind eben nette Menschen. Mark
Daniel
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